Skip to main content

Singapurs Geschichte

Warum Singapur auch die “Löwenstadt” genannt wird
Der Name des Inselstaates “Singapur” ist auf das Sanskrit, sprich dem als Hochsprache verwendetem Altindisch, zurückzuführen. Dabei setzt sich der Name aus den beiden Begriffen “Singha” (“Löwe”) und “Pura” (“Stadt”) zusammen, womit seine Bedeutung “Löwenstadt” zustande kommt.




Doch dies war nicht immer so: Zunächst hieß Singapur nämlich “Temasek”, als es im siebten, achten Jahrhundert besiedelt wurde und den Status eines Fürstentums hatte. Einer aufregenden malaiischen Legende nach wurde aus der “Stadt am Meer” schließlich die “Löwenstadt”: Im 14. Jahrhundert flüchtete ein Prinz hinduistischen Glaubens von Sumatra nach Temasek. Da er sich mit einer buddhistischen, javanischen Prinzessin vermählt hatte, wurde der Prinz in die politischen Fronten zwischen dem sumatraschen Reich Sri-Vijava und dem auf Java lokalisierten Majapahir-Reich buddhistischen Glaubens hinein manövriert.

Auf seiner Flucht erblickte der Prinz einen Löwen, der sich im urig-dichten Dschungel befand. Diese Begegnung war für den Flüchtling so prägend, dass er den Ort von diesem Moment an „Löwenstadt“ nannte.

Jedoch ist einzuwenden, dass dieser Erdteil nicht von Löwen bewohnt wird, weshalb eher von einem Tiger ausgegangen werden kann. Doch ob Tiger oder Löwe: Fest steht, dass das tropische Gebiet zu einem eher nebensächlichen Handelsposten des einflussreichen Sri-Vijava-Reiches wurde. Anschließend nahm es den Status eines Vasallenstaates des Majapahir-Reiches auf Java ein.

Und dank Sir Stamford Raffles sollte Singapur nicht lange ein kleiner, unbedeutender Tropen-Stützpunkt bleiben.

Singapur

Singapur ©TK

Die wichtigsten Geschichtsdaten im Überblick
– 1819: Errichtung Singapurs als East India Company-Handelsposten durch Sir Thomas Stamford Raffles.
– Britische Kolonie bis 1959.
– 1963: Eintritt in den Verbund mit Malaysia für zwei Jahre. Anschließend autonome Republik.
– Allmähliche Entwicklung zu einem erfolgreich agierenden Global Player im Wirtschaftssektor.

Rückblick auf eine aufregende Geschichte
Die „Stadt am Meer“ – erste Erwähnungen
– Erstmals taucht Singapur in Aufzeichnungen chinesischer Texte des 3. Jahrhunderts auf.
– Ursprünglich wurde die Insel von dem auf Sumatra lokalisierten Srivijava-Reich als Außenstation genutzt.
– Zunächst wurde Singapur “Temasek“, sprich die “Stadt am Meer“ genannt. Doch die aufstrebende Stadt des Handels verlor rasch wieder an Einfluss. Dies erklärt, warum abgesehen von einigen archäologischen Hinterlassenschaften nahezu nichts aus dieser Zeit bestehen geblieben ist.

Von einem Seeräuber-Zufluchtsort zu einer modernen Insel
– Als Begründer des modernen, aufstrebenden Singapurs gilt Thomas Stamford Raffles, dessen weiße Statue von Thomas Woolner am vermeintlich damaligen Landungspunkt heute besucht werden kann. Er übte eine Tätigkeit bei der britischen Ostindischen Handelskompanie als Agent aus.
– Von den Briten wurden an der Straße von Malacca beziehungsweise Melaka im 18. Jahrhundert Zweigstellen zur Sicherung der Handelswege gegründet. Dabei ging es konkret um die East India Company-Handelswege zwischen China und den indischen Kolonien.
– Nachdem die tropische Insel als Zufluchtsstelle für wilde Piraten diente und lediglich zwanzig Familien malaiischen Ursprungs beherbergte, die sich der Fischerei widmeten, gründete Raffles im Jahre 1819 eine erste Niederlassung am alten Handelssitz Singapur.
– Raffles war bestrebt, die britischen Niederlassungen zu stärken, zumal er wieder aufkommende Ausweitungspläne der Niederländer befürchtete, welchen es gelungen war, seit 200 Jahren die einflussreichste Handelsmacht Europas in dieser Region zu sein.
– Mit Raffles Präsenz wurde der einstigen Abgelegenheit des Tropen-Gebietes ein Ende gesetzt: Marine und Armee wurden stationiert und der Hafen blühte allmählich auf.
– Bereits fünf Jahre nach Raffles Errichtung des Handelsposten konnte die komplette Insel von der Kompanie für sich beansprucht werden. Für einen Preis von 60.000 Dollar sowie einer Jahresrente von 24.000 Dollar kaufte man sie dem Sultan von Johor ab.
– Rasch wurde Singapur eine beliebte Anlaufstelle für sehr arme, aus der Region stammende Immigranten, das sich von da an stets im Wachstum befand.
– Weiterführende territoriale Ausbreitungen führten dazu, dass Singapur als Teil des Straits Settlements schließlich am 1. April 1867 zur Kronkolonie der Briten wurde.
– Der Stellenwert Singapurs als geschäftiger Umschlaghafen nahm zu. Dies ist insbesondere auf die günstige Lage zurückzuführen, da diese entlang bedeutender Wege der Schifffahrt zwischen den Erdteilen China und Europa verankert ist.
– 1881 zählte das gesamte Singapur eine Einwohnerzahl von 172.993 Menschen.

Singapur in den Wirren des zweiten Weltkrieges: Die Schlacht um Singapur
– Die japanischen Truppen fielen während des Zweiten Weltkrieges 1941 in Malaysia ein, wobei die Insel Singapur umstellt wurde.
– Zwar waren die Soldaten britischer Seite unter der Führung Arthur Percival in der Schlacht um Singapur von der Anzahl her im Vorteil, doch waren sie nicht ausreichend vorbereitet. So konnten die Japaner die Schlacht für sich gewinnen. Die Kapitulation der Briten erfolgte im Februar des Jahres 1942.
– Die japanischen Sieger nahmen bei ihrer Besetzung eine Umbenennung Singapurs vor, das von da an die “Licht des Südens-Insel“ (“Syonan-to“) genannt wurde. Bis Japan im September 1945 kapitulierte, beanspruchte es die Insel für sich.
– Anschließend gab man noch im selben Jahr Singapur wieder zurück an die Briten – doch die Ära ihrer uneingeschränkten Vormachtstellung war ein für alle Mal vorbei.

Nachkriegszeit – Wege in die Unabhängigkeit
– Im Jahre 1959 nahm die Insel den Status einer autonom-regierten Kronkolonie ein. Mit dieser Selbstverwaltung wuchs auch das Nationalbewusstsein nach und nach heran.
– Politische Parteien wurden gegründet. Nach dem Wahlsieg der People‘s Action Party (PAP) 1959 wurde die Regierung Singapurs von Lee Kuan Yew, einem Absolventen der Cambridge University, als erster Premierminister übernommen.
– Ein landesweiter Volksentscheid im Jahre 1962 ebnete Singapur den Weg in eine Föderation mit Sabah, Sarawak und Malaga (nun Malaysia). Damit kam es zur Unabhängigkeit Singapurs vom Vereinigten Königreich am 1. September 1963.

1960er: Den Unruhen folgt die Souveränität
– In den Herbstmonaten des Jahres 1964 konnten zwischen Bewohnern chinesischer und nicht-chinesischer Abstammung starke Unruhen beobachtet werden.
– Schließlich kam es am 7. August 1965 zum Ausschluss Singapurs aus der zuvor eingegangenen Föderation. Dies rührte nicht nur daher, dass Malaysia eine Ausbreitung des Aufruhres über die Grenzens Singapurs befürchtete, sondern auch aus enormen Ideologiekonflikten, die zwischen der in Kuala Lumpur ansässigen Föderationsregierung und der PAG-Regierung ausgetragen wurden.
– Die Anerkennung der Unabhängigkeit Singapurs wurde erstmalig am 9. August 1965 durch Malaysia vollzogen. Ab diesem Zeitpunkt gilt dieses Datum als Nationalfeiertag.

Probleme und Aufstieg einer jungen Nation
– Die Anfangszeit Singapurs als souveräne, junge Nation gestaltete sich nicht leicht: Zum einen galt es, die ökonomische Unabhängigkeit zu wahren, zum anderen sah sich das eingeschränkte Staatsgebiet mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Wohnräume waren knapp, Ressourcen und Ackerland rar. Zudem herrschte unter der Bevölkerung eine Massenarbeitslosigkeit vor.
– Unter dem Premierminister Lee Kuan Yew konnte Singapur allerdings eine außerordentliche Entwicklung hinsichtlich seiner Wirtschaft verbuchen.
– Yew hielt während der Zeitspanne von 1959 bis 1990 das Amt des Premierministers inne. Mit Erfolg konnte das Problem der Massenarbeitslosigkeit angegangen und die Wirtschaftskraft sowie der Lebensstandard verbessert werden.
– Singapur, das zu den so genannten Tigerstaaten zählt, konnte sich damit von einem unbedeutendem (Industrie)armen Land zu einer florierenden Industrienation entwickeln.
– Nur zwanzig Jahre brauchte es, um aus einem armen Entwicklungsland ohne bedeutenden Rohstoffvorrat ein vitales Finanz- und Wirtschaftszentrum zu machen. Zudem hat sich Singapur zu einem bedeutenden Knotenpunkt Südostasiens entwickelt.
– Der Erfolgsgeschichte nach hat sich Yews strebsam-pragmatische Denkweise seines Regierungsstabs bezahlt gemacht: Politische Widersacher rigoros unterdrücken und Pläne der Modernisierung ehrgeizig verfolgen.

Neue Regierung – neue Schwierigkeiten
– Goh Chok Tong übernahm Ende November 1990 das Premierminister-Amt.
Tong vertrat nicht nur freiere Standpunkte, sondern war auch um Kooperationen bemüht und an einem konsultativen Führungsstil interessiert.
– Im Hintergrund wirkte Yew als Senior Minister aber weiter.
– Gleichzeitig wurde Brigadiergeneral Lee, der Sohn von Yew, vermutlich inoffiziell für die Lenkung des Staates vorbereitet.
– 1999 erfolgte die Wahl Nathans zum Staatspräsidenten.
– Tong konnte 2001 mit seiner PAP ein mehrheitliches, sehr erfolgreiches Wahlergebnis von 75 % erzielen.
– Doch auch unter der neuen Regierung musste sich Singapur erneut erheblichen Schwierigkeiten stellen. Dazu zählte zunächst die Südostasienkrise von 1997, welche mit einem ökonomischen Einbruch verbunden war. Singapur erging es nicht besser als anderen Ländern. So verdoppelte sich beispielsweise die Arbeitslosenquote binnen von drei Monaten am Ende des Jahres 1998 .
– Nach der Krise trat jedoch eine Besserung ein, so dass das Leben auf den Straßen wie gehabt pulsierte.
– Zu Besorgnis erregenden, massenweise Auswanderungen kam es nach der Krise, als hoch qualifizierte Arbeitskräfte eine Auslandskarriere anstrebten.
– Im Jahre 2003 wirkte sich eine SARS-Epidemie negativ auf die Wirtschaft aus.
– Außerdem stellten die Jemaah Islamiah eine terroristische Bedrohung dar.

Neuer Ministerpräsident und Spannungen mit Malaysia
– Yews ältester Sohn, Lee Hsien Loong, wurde am 12. August 2004 zum neuen Premierminister Singapurs gewählt. Damit hatten sich nicht nur die Spekulationen von politischen Beobachtern bestätigt, sondern auch die People‘s Action Party (PAP) weiterhin fest im Parlament etabliert.
– Zahlreiche Unstimmigkeiten mit Malaysia beschäftigen die Regierung Singapurs auch in der Gegenwart. Problematisch sind zum Beispiel die Aspekte Seegrenzen, Singapurs Pläne zur Gewinnung von Land oder auch der Brückenbau. Daneben wird der Besitz der Inseln South Ledge, Middle Rocks und Pedra Branca scharf diskutiert. Schließlich spielt ebenfalls die Versorgung mit Wasser eine Rolle, zumal der Stadtstaat auf die Einfuhr von Wasser sehr stark angewiesen ist. Auch die damit verbundenen Kosten werden beleuchtet. Das von Malaysia überbrachte Wasser wird vom Inselstaat Singapur nach der Lieferung aufbereitet. Dabei ist es ihnen gelungen, das veränderte Wasser für eine höhere Summe an Malaysia zu verkaufen, als sie zuvor für das frische Wasser entrichten mussten.